Vor ein Paar Tagen habe ich etwas über meinen Tablet-PC geschrieben. Nun möchte ich etwas über die Einrichtung berichten.
Als Betriebssystem für mein KCSpad K10P habe ich mich, wie im letzten Artikel bereits erwähnt, für Archlinux entschieden.
Treiberunterstützung
Die Hardware wird bis auf den Touchscreen komplett erkannt und funktioniert ohne weiteres zutun. Der Touchscreen der Firma Hanvon benötigt im Moment noch etwas Arbeit. Es gibt einen Treiber für den Touchscreen, dieser Treiber ist ab Kernel 2.6.38 im Kernel verfügbar. Dies bedeutet, dass kommende Versionen gängiger Linux-Distributionen diesen Treiber mitliefern werden. So erscheint im April Ubuntu 04.11 welches diesen Treiber nutzt. In Archlinux ist der Kernel mittlerweile im Testing-Zweig verfügbar. Diesen kann man entweder nachinstallieren oder kompiliert sich selbst einen Treiber aus dem Sourcecode bei Kernel.org
Der Treiber für den Hanvon-Touchscreen unterstützt derzeit kein Multitouch, diese Funktion wird es erst später geben. Die Bedienung mit einem Finger klappt allerdings perfekt.
Dies ermöglicht eine relativ Problemlose Installation und Einrichtung.
Installation
Zur Installation ist Wahlweise ein externes CD/DVD-Laufwerk und eine entsprechende CD/DVD oder ein USB-Stick nötig. eine USB-Tastatur sollte auch nicht fehlen…
Einen bootbaren USB-Stick kann man beispielsweise mit UNnetbootin und einer ISO-Datei erstellen. Dies funktioniert recht zuverlässig in nur 4 Schritten:
- Unetbootin und ISO herunterladen
- USB-Stick einstecken (fat32 Formatierung)
- Unetbootin installieren und starten
- ISO und USB-Stick auswählen
- OK drücken
Der Rest läuft automatisch ab…
Die Installation von Archlinux selbst ist in der Wiki von archlinux.de sehr gut und ausführlich beschrieben. Des weiteren habe ich im Januar einen wirklich schönen Artikel dazu bei suckup.de gelesen. Aus diesem Grund verzichte ich hier auf eine komplette Anleitung wie man Archlinux installiert. Die Installation läuft ab wie bei einem “normalen” PC oder Notebook.
Ich bin ein Gnome-Fan.. warum weiß ich nicht, aber ich lande immer wieder bei Gnome. So ist auch Gnome auf meinem Tablet installiert. Als Window-Manager nutze ich Compiz, zum einen Weil Eyecandy manchmal Spass macht und auch weil manche Funktionen von Compiz sich durchaus auch zum besseren Arbeiten eignen können.
Keyboard & Maus
Für die Eingabe am Bildschirm wird eine Software-Tastatur benötigt. Die mit Abstand beste die ich gefunden habe ist Florence. Diese Tastatur findet sich im AUR von archlinux.

Um sich auch ohne angeschlossene Tastatur anmelden zu können, muss die Tastatur noch in GDM geladen werden. Dazu kann die Datei /etc/gdm/Inet/Default bearbeitet werden. Es genügt vor dem exit0 am Ende folgende Zeile einzufügen
florence&
In den Mauseinstellungen unter Barrierefreiheit lässt sich die Option “Kontextklick durch Gedrückthalten der ersten Taste auslösen” wählen. Damit lääst sich die fehlende rechte Maustaste sehr gut kompensieren.
Lagesensor gangbar machen
Wie xev offenbart gibt der Lagesensor Die Tastenkombination STRG + ALT + Pfeiltaste aus (je nach Lage Oben, Unten, Rechts oder Links).
Das folgende Script erledigt die Umschaltung und Kalibrierung des Displays:
#!/bin/bash
rangex=( 0 19455 )
rangey=( 0 11263 )
input=9
case $1 in
0 ) inv1=0; inv2=0; swap=0; rotate=0;;
1 ) inv1=1; inv2=0; swap=1; rotate=1;;
2 ) inv1=1; inv2=1; swap=0; rotate=2;;
3 ) inv1=0; inv2=1; swap=1; rotate=3;;
esac
cal=( ${rangex[@]} ${rangey[@]} )
xrandr -o $rotate
xinput set-prop $input “Evdev Axis Calibration” ${cal[@]}
xinput set-prop $input “Evdev Axis Inversion” $inv1, $inv2
xinput set-prop $input “Evdev Axes Swap” $swap
Das Script habe ich unter~/.scripte/lagesensor abgelegt. In Verbindung mit der Compiz-Function Commands kann nun die Umschaltung ohne großen Aufwand automatisch erfolgen (Commands wird später noch einmal genutzt, daher bietet sie die Verwendung an).

Nun wird in die Zeilen 0-3 jeweils der Scriptname und die Lage (0-4) geschrieben.

Im zweiten Reiter wird die Tastenkombination für die einzelnen Befehle hinterlegt. Sobald diese gewählt sind funktioniert die Displayumschaltung problemlos.
Eyecandy und Nützliches
Anwendungsumschalter
Als Anwendungsumschalter habe ich mich für Swift Switcher entschieden und Auslösen auf die Hometaste am Gehäuse gelegt. So kann jederzeit bequem zwischen den Anwendungen gewechselt werden und die Übersichtlichkeit auf dem kleinen Display bleibt gewahrt.

Was auf einem normalen Computer reine Spielerei ist, hat sich in den letzten Wochen zu einem wirklich nützlichen Helferlein entwickelt, auf das ich nciht mehr verzichten möchte.
Snap-Funktion
Unter Windows 7 gibt es die sogenannte Aero Snap Funktion. Diese hat Christoph von linuxundich.de sehr elegant unter Linux umgesetzt und auch ausführlich beschrieben.
Diese Funktion ist sehr nützlich und hilft auch beim Arbeiten ohne Maus, gerade wenn man einmal 2 Fenster nebeneinander braucht.
Surfen
Beim Surfen ist der Firefox-Plugin Grab and Drag eine schöne Hilfe, er ermöglicht das scrollen der Seite durch verschieben. So macht das surfen mehr Spaß, da man nicht dauernd die schmale Bildlaufleiste benutzen muss.
Fazit / Erkenntnisse
Mit diesen kleinen Helferlein und Anpassungen ist das KCSpad schon sehr gut benutzbar, lediglich für Nautilus fehlt noch ein ähnliches Verhalten wie bei Drag and Grab im Firefox. Sollte jemand da eine Idee haben, würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen.
Nachdem ich heute bei schönem Wetter einige Stunden auf dem Balkon gesurft und gechattet habe, kann ich sagen, dass sich die Arbeit durchaus gelohnt hat und sich der Tablet-PC so wirklich gut bbedienen lässt .
Die Entscheidung einen Tablet-PC statt einem Netbook zu wählen mag auf den ersten Blick die schlechtere Wahl sein, da die Tastatur fehlt und der Preis höher ist. Aber je nach Anwendungszweck überwiegen meiner Meinung nach die Vorteile des portableren Tablet-PCs. Ich für meinen Teil bin mit meinem Kauf mehr als zufrieden und werde weiter über nette Tablet-Funktionen unter Linux berichten.